Keynote Dr. Frauke Fischer „Wie DAX und Dachs zusammenhängen – Ökonomie des Biodiversitätsverlustes“

Bevor wir in den feierlichen Teil des Abends starteten, besuchte uns als letzte Sprecherin des Tages Dr. Frauke Fischer. Dr. Frauke Fischer ist studierte Biologin und lehrt an der Universität Würzburg. 2003 gründete sie die Agentur "auf!", Deutschlands erste Unternehmensberatung mit dem Schwerpunkt „Biodiversität“.

In ihrem kurzweiligen Vortrag brachte sie uns das Thema Biodiversität und vor allem die Auswirkungen des Biodiversitätsverlustes näher. Der Biodiversitätsverlust wird die größte Herausforderung der kommenden Jahre und unserer Zukunft insgesamt werden. Die bisherigen Krisen, die wir in den letzten Jahren erlebt haben, sehen im Vergleich zu der sich künftig anbahnenden Krise klein aus.

Der Umgang mit den Ressourcen unserer Erde ist erschreckend. 1970 war das letzte Jahr in dem die Menschheit so rücksichtsvoll mit der Erde umgegangen ist, dass die Ressourcen für das ganze Jahr reichten. 

Bereits am 04. Mai 2022 überstieg die menschliche Nachfrage nach nachwachsenden Rohstoffen aus Deutschland das auf uns entfallende Angebot und die Kapazität der Erde zur Reproduktion dieser Ressourcen im laufenden Jahr. Global betrachtet bräuchte die Menschheit für ihren heutigen Lebensstil schätzungsweise 1,7 Erden.

In den letzten 50 Jahren haben Menschen 60% aller Säugetier-, Vogel-, Fisch- und Reptilienbestände vernichtet; das Artensterben 1.000-fach beschleunigt und lediglich 2% der Wildnis übriggelassen. Immer mehr Menschen führen zu einem immer höheren Verbrauch an natürlichen Ressourcen und damit zur Verschärfung dieses Trends. So gibt es 400.000 Pflanzen auf dieser Erde, wovon 200.000 für den Menschen verträglich sind. Lediglich 200 Pflanzenarten werden von Menschen regelmäßig konsumiert. Mehr als 50% der Kalorien, die Menschen jeden Tag weltweit zu sich nehmen stammen von nur drei Hauptnahrungsmittel Weizen, Mais & Reis. Hinzu kommt im Zuge der Globalisierung der Anstieg an Importgütern. In Schwellen- und Entwicklungsländern ändert sich zudem das Essverhalten, vor allem beim Fleischkonsum führt. Was zunächst nicht allzu dramatisch klingt wird jedoch künftig drastische Auswirkungen auf unseren Wohlstand haben. Der ausgeweitete Fleischkonsum führt zur Abholzung von Regenwäldern und Degradierung von Böden. 25% des fruchtbaren Landes auf unserem Planeten ist bereits degradiert. Jedes Jahr verlieren wir 3,4 Tonnen fruchtbaren Boden für jeden Menschen, der auf unserer Erde lebt. Böden sind jedoch keine erneuerbare Ressource, sind sie einmal degradiert, können wir sie nur schwer wiederbeleben. Diese Gedanken machen nachdenklich.

Diese Art und Weise wie wir mit der Welt umgehen hat zur Folge, dass Biodiversität vernichtet wird, somit beschleunigen wir den Ausbruch von neuen Krisen, auch die neuer Pandemien . Dabei lohnt sich die Renaturierung der Ökosysteme aus ökonomischen Gesichtspunkten. Denn 25% der modernen Medikamente werden aus tropischen Pflanzen hergestellt, sowie 75% aller Krebsmedikamente kommt aus den Regenwäldern dieser Erde. Das stärkste bekannte Schmerzmittel der Welt stammt aus einer marinen Kegelschnecke. Nur wenn wir langfristig in unser Ökosystem investieren haben wir die Chance auch künftig gut gegen Krankheiten anzukämpfen. Denn ohne Artenvielfalt verlieren wir auch Mücken und damit schlussendlich die Schokolade, weil sie die einzigen Bestäuber von Kakao sind.

Für jeden investierten USD, der in die Renaturierung von Ökosystemen investiert wird, ergibt sich ein Nutzen im Gegenwert von bis zu 30 USD. Die Renaturierung von 350 Mio. Hektar degradierten Landes bis 2030 würde der Atmosphäre 13 bis 26 Gigatonnen an Treibhausgasen entziehen und Ökosystemleistungen im Wert von 9 Billionen USD erzeugen. Es stellt sich daher auch wirtschaftlich die Frage, warum diese Kriterien in den Nachhaltigkeitsindizes nicht berücksichtigt werden. Die 20 größten Banken der Welt investierten im Jahr 2019 etwa 2,6 Billionen $ (= BIP Kanadas) in Sektoren, die nachweißlich Biodiversität und Ökosystemleistungen zerstören!. Dabei bietet der Schutz von Biodiversität und Ökosystemleistungen künftig eine Vielzahl an Geschäftsmöglichkeiten, unter anderem in den Bereichen Lebensmittel, Pharmazie, Tourismus und Technologie. 

Die Auswirkungen unseres wirtschaftlichen Handels wurden in dem kurzweiligen Vortrag von Dr. Frauke Fischer schnell deutlich. In der anschließenden Fragerunde wurde vorwiegende diskutiert, wie jeder Einzelne sich besser einbringen kann, bevor wir wohl alle mit einem nachdenklichen Gefühl in Richtung des Abendessens aufgebrochen sind. Doch es bleibt festzuhalten: Es liegt an uns und wir haben es in der Hand unsere Zukunft zu gestalten. Jeder einzelne kann bei seinem täglichen Konsum auf die Wertschöpfungskette der Produkte achten und sich die Frage stellen, inwiefern das Ökosystem dadurch beeinträchtigt wird. Regionale, saisonale und langlebige Produkte sind hierfür ein guter erster Schritt. Es liegt an uns, machen wir etwas raus. 

Maris Sülzle

Unternehmenskundenberatering
Sparkasse Schwarzwald-Baar, Donaueschingen DHBW Villingen-Schwenningen 2021