Edith Weymayr beim 2. BankenDialog der DHBW Karlsruhe

Im Rahmen des 2. BankenDialogs der DHBW Karlsruhe fand am 25. November ein sehr interessantes Webinar statt. Mit Edith Weymayr, der Vorsitzenden des Vorstands der L-Bank konnte wieder einmal eine hochkarätige Persönlichkeit als Rednerin gewonnen werden. Mit dem Thema „Ein Schock ungekannten Maßes – Die Rolle der Förderbanken zur Stützung der Wirtschaft während der Corona-Pandemie“ referierte Frau Weymayr zu einem brandaktuellen Thema. Die Veranstaltung wurde als hybrides Veranstaltungskonzept umgesetzt: vor Ort konnten den Vortrag rund 10 Teilnehmer verfolgen, während über den Livestream ca. 200 interessierte Teilnehmer zugeschaltet werden konnten.

Frau Weymayr, die in Bayreuth BWL studierte, anschließend im Risikomanagement bei der Commerzbank arbeitete und nach einer Zwischenstation bei KPMG in diversen Führungsaufgaben bei der Commerzbank tätig war, übernahm seit Anfang diesen Jahres den Vorstandsvorsitz der L-Bank. Sie ging in ihrem Vortrag darauf ein, wie die Förderbanken seit diesem Frühjahr ein ambitioniertes Programm stemmen, um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie zu begrenzen.

Zur Messung der konjunkturellen Situation zieht die L-Bank den L-Bank-ifo-Geschäftsklima Index heran. Dieser dient als Frühindikator für konjunkturelle Entwicklungen. Hieran zeigte Frau Weymayr deutlich auf, dass der wirtschaftliche Einbruch (BIP-Rückgang, ifo-Geschäftsklima, Kurzarbeit, usw.) stärker ist als der in der Finanzkrise. Sie geht davon aus, dass mit einer Normalisierung der wirtschaftlichen Situation erst in frühestens einem Jahr gerechnet werden kann.

Gerade in dieser Situation sind die Förderbanken als verlängerter Arm der Regierung besonders gefordert. Dies ist in diesem Jahr zu 100 % für die L-Bank der Fall gewesen. So sind die Fördervolumen (alle Darlehen, Zuschüsse, usw.) deutlich gestiegen, ebenso wurden mit den Maßnahmen aber auch erheblich mehr Menschen und Unternehmen erreicht.

Über einen breiten Instrumentenkasten unterstützte die L-Bank in diesem Jahr:

  1. Zuschüsse: Soforthilfe Corona (größtes Programm), Überbrückungshilfe Corona, Sonderprogramm HOGA, Sonderprogramm Schutzwände in Bussen, Sonderprogramm Reisebusunternehmen, Tilgungszuschuss für Schausteller, Messe-, Veranstaltungs- und Eventbranche & Taxi, Digitalisierungsprämie PLUS
  2. Fremdkapital: Liquiditätskredit Plus, Tilgungsaussetzungen / Stundungen, Bürgschaften
  3. Eigenkapital: Mezzanine-Beteiligungsprogramm BW, Start-up BW Pro-Tect

Darüber hinaus werden aktuell weitere Hilfen erarbeitet wie beispielsweise außerordentliche Wirtschaftshilfen, die Überbrückungshilfe II oder ein Beteiligungsfonds Corona. Frau Weymayr führte aus, dass Unternehmen verstärkt an Zukunftsthemen wie Ressourcensparsamkeit und Digitalisierung arbeiten. Dem exogenen Schock in Form der Corona-Pandemie wird über die o.g. Maßnahmen entgegengewirkt. Oberste Priorität hierbei ist die Überlebenssicherung von Unternehmen, dann folgt deren Stabilisierung, anschließend die Unterstützung der Zukunftsfestigkeit und letztlich die Innovationsorientierung.

Fr. Weymayr geht davon aus, dass sich die Ratings bei Unternehmen verschlechtern werden. Außerdem rechnet sie mit einer Vielzahl von Insolvenzen, wenn das Insolvenzgesetz wieder in Kraft tritt. Dennoch sieht sie die Problematiken nicht in dem Ausmaß wie nach der Finanzkrise. Wichtig sind, so konstatiert Frau Weymayr, zeitnahe, jedoch risikobewusste Entscheidungen über die Vergabe von Fördermitteln seitens der L-Bank. Das ist in den letzten Monaten gut gelungen und darauf soll auch künftig geachtet werden. So leistet die L-Bank einen wichtigen Beitrag in der aktuellen Situation und wird bei der Bewältigung der wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie auch weiterhin eine sehr wichtige Rolle spielen.

Lukas Knapp

Lukas Knapp

Vermögensberater
Sparkasse Neckartal-Odenwald
DHBW Mosbach 2017