BankenDialog Karlsruhe – Deutsche Bundesbank zum Smarten Zahlungsverkehr der Zukunft

„Zahlungsverkehr war in den letzten Jahren nicht sexy“, damit eröffnete Frau. Prof. Weiland, Studiengangsleitern BWL-Bank am 27. Oktober 2020 den ersten hybriden BankenDialog physisch im Audimax der DHBW Karlsruhe und virtuell im Homeoffice bzw. sogar auf dem Sofa. Diesem Zitat konnte der geladene Referent, Burkhard Balz, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank, zuständig für die Bereiche Zahlungsverkehr und Abwicklungssysteme, ökonomische Bildung und internationaler Zentralbankdialog, zustimmen, jedoch auch verdeutlichen wie viel Veränderung und damit auch Spannung sich im Zahlungsverkehr befindet.

Balz‘ Vortrag „Zunehmend smarter – Zahlungsverkehr in der Digitalisierung“ war ein finanzpolitischer und juristischer Rundumschlag, welcher die komplexe Gemengelage aus zentraler Regulierung und dezentralen Technologien, Fin- und BigTechs, Corona als Diskussions-Ermöglicher und -Beschleuniger und Banken, die mittendrin statt nur dabei sind.

Die im September 2019 eingeführte Payment Service Directive 2 (PSD2) stellt für Verbraucher mehr Sicherheit beim Online-Banking und ein breiteres Angebot an Zahlungsdiensten dar. Aus Bankensicht bedeutet dieses „Open Banking“ allerdings mehr Wettbewerber im Zahlungsverkehr, insbesondere von Fin- und BigTechs. Die bisherige Strategie der Banken, um die heranrollende Welle der Innovationen für sich zu nutzen, ist die Beteiligung an vielversprechenden Startups, wird zukünftig jedoch so nicht mehr funktionieren. Zu groß sei der Wirkungsgrad von Amazon, Apple oder Google. Zu klein seien die individuellen und zumeist geographisch begrenzten Lösungen der Institute. Die entsprechende Lösung auf nationaler Ebene ist als #DK (Digitale Kreditwirtschaft) betitelt und soll die Zusammenführung der bisherigen Payment-Verfahren (paydirekt, giropay, kwitt, girocard) sein. Ziel sei es den Nutzern Vorteile und Einheitlichkeit im Payment zu bieten. Die europäische Antwort ist hingegen die European Payment Initiative (EPI), welche eine einheitliche pan-europäische Zahlungslösung für Instant Payments, Kartenzahlungen, digitalen Wallets, P2P-Zahlungen und zukünftig der Standard für sämtliche Transaktionen sein soll. Bis dieses Ziel erreicht ist, ist es noch ein weiter Weg: bisher besteht die EPI aus nur fünf Mitgliedsstaaten, nämlich Belgien, Frankreich, Spanien, Niederlande und Deutschland. Zunächst also nur ein Aufbruch.

Weitere Herausforderungen, denen sich der Zahlungsverkehr in der Digitalisierung gegenübersteht, sind Datenschutz sowie die Datensouveränität, operationelle Stabilität, Cybersicherheit, die Fragmentierung des europäischen Marktes, die Beaufsichtigung von Plattformen und modularisierten Wertschöpfungsketten sowie die zunehmende Marktmacht einzelner Anbieter. Richtungsweisend ist das von der EU-Kommission geschnürte Digital Finance Package, bestehend aus zwei Strategien (Retail Payments Strategy, Digital Finance Strategy) sowie drei Proposals (Digital Operational Resilience Act, Markets in Crypto-Assets, Pilot regime for DLT market infrastructures). Übergeordnete Ziele sind die Reduktion der Fragmentierung des digitalen Binnenmarktes, die Erleichterung von digitalen Innovationen, die Schaffung eines europäischen Finanzdatenraums, sowie das Erkennen und Abschwächen von digitalen Risiken.

Es ist erkennbar, dass die Digitalisierung die Akteure zwingt zu agieren, insbesondere in der Diskussion über Kryptowährungen, Stable Coins und DLT-Technologie. Auch aufgrund der Corona-Pandemie wird hierüber ein deutlich intensiverer Dialog geführt, wobei die Entwicklung und Realisierung weiterhin vor allem in China und Singapur stattfinde, so Balz. Nichtsdestotrotz, veröffentlichte die EZB Anfang Oktober ihren Grundlagenbericht über den digitalen Euro und ruft zur öffentlichen Konsultation auf. Auch wenn sich Zentralbank und Distributed-Ledger-Technologie wörtlich grundsätzlich widersprechen mögen, so gebe es inhaltliche und damit projektorientierte Schnittmengen. Demnach kann von einem Umbruch ausgegangen werden.

Der Zahlungsverkehr ist jedoch nur ein Aspekt des klassischen Bankwesens. Auf die Publikumsfrage, ob Banken in der Digitalisierung noch zeitgemäß seien, da es nahezu für jedes Angebot eine Alternative gäbe, verwies Balz darauf, dass dies eine der wichtigsten und strategischsten Fragen für den gesamten Sektor ist. Kundennähe sei eines der wichtigsten Ziele der Institute – wie nah sind sie jedoch am Kunden, verglichen mit Google & Co, die wir 24/7 mit unseren Informationen füttern, wenn wir ihre einfachen und komfortablen Produkte nutzen? Da wirkt eine Zwei-Faktor-Authentifizierung wie ein Klotz am Bein. Es bleibt zu hoffen, dass den Instituten, nationalen sowie internationalen Bestrebungen hierbei der Durchbruch gelingt.

Anhang:
Der BankenDialog Karlsruhe ist eine Plattform zur Förderung des Gedankenaustauschs innerhalb der Finanzierungscommunity der TechnologieRegion Karlsruhe. Er wird veranstaltet vom Studiengang BWL-Bank unter der Leitung von Prof. Dr. Christiane Weiland. Unterstützt wird der BankenDialog durch die Deutsche Bundesbank und die L-Bank. EZB-Bericht über den digitalen Euro (Oktober 2020): https://www.ecb.europa.eu/pub/pdf/other/Report_on_a_digital_euro~4d7268b458.en.pdf

Rede von Burkhard Balz bei der Deutschen Bundesbank: https://www.bundesbank.de/de/presse/reden/zunehmend-smarter-zahlungsverkehr-in-der-digitalisierung-849008

Andrej Baraban

Andrej Baraban

Investment Analyst
LEA Partners, Karlsruhe
DHBW Karlsruhe 2017