Bericht über Masterthesis Uni Liechtenstein

Meine Masterthesis zum Thema „Die Entwicklung der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung in der Finanzindustrie“

Was haben der Klimawandel und die aktuelle Covid-19 Pandemie gemeinsam? Richtig. In beiden Fällen handelt es sich um globale Herausforderungen, die jeden von uns betreffen und zu deren Lösung jeder Einzelne von uns seinen Beitrag zu leisten hat. Weder der Klimawandel noch die Covid-19 Pandemie unterscheiden zwischen Industrie- und Entwicklungsländern. Denselben Ansatz verfolgt auch die UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung, welche 2015 von den Vereinten Nationen veröffentlicht wurde. Die 17 Ziele dieser Agenda (Sustainable Development Goals [SDGs]) beschränken sich jedoch nicht nur auf Klimaschutz und Gesundheit, sondern verfolgen einen holistischen Ansatz Rund um die Themen „Menschen“, „Planet“, „Frieden“, „Wohlstand“ und „Partnerschaft“. Der Finanzierungsbedarf dieser Agenda beläuft sich laut Schätzungen der UN bis 2030 auf USD 5 bis 7 Billionen jährlich. Investoren spielen daher eine zentrale Rolle auf dem Weg zur Erreichung der Ziele bis 2030.

Bislang dominieren institutionelle Investoren den Markt für nachhaltige Investments, während der Anteil an Retailinvestoren stetig ansteigt. 2019 betrug das nachhaltig investierte Anlagevolumen weltweit USD 30,7 Billionen. Mit einem Anteil von USD 14 Billionen bleibt Europa die stärkste Region für nachhaltige Investments. Es mangelt daher nicht an verfügbaren Mitteln, sondern an der wirkungsorientierten Allokation dieses Kapitals. Neben der Integration von ESG Kriterien legen Investoren zunehmend mehr Wert auf die tatsächlichen realwirtschaftlichen Auswirkungen ihrer Investments. Darunter fallen auch sogenannte „SDG Investments“, die einen direkten oder indirekten Einfluss auf die Erreichung der UN-Nachhaltigkeitsziele haben. Um dieser Nachfrage gerecht zu werden ist es notwendig die Präferenzen von Investoren hinsichtlich dieser Investments zu kennen.

Hier setzt meine Masterthesis an. Mit dem Ziel die Präferenzen von Retail- und institutionellen Investoren hinsichtlich SDG Investments zu analysieren habe ich eine entsprechende Umfrage erstellt. An dieser Stelle möchte ich mich herzlich bei Frank Mesterharm für die Verteilung der Umfrage innerhalb der Bank…Verbindung und bei allen Teilnehmern unter Euch für die Unterstützung bedanken! Insgesamt habe ich 108 vollständige und valide Datensätze erhalten, die ich für meine Auswertungen nutzen konnte. Da der Anteil institutioneller Investoren in dieser Stichprobe nur bei knapp über 7% lag konnten daraus keine repräsentativen Rückschlüsse gezogen werden. Die Auswertungen beschränken sich daher auf Retailinvestoren sowie die Kontrollgruppe bestehend aus Asset Managern und Finanzberatern aus der DACH + Liechtenstein Region.

Von den 56 Retailinvestoren, die an der Umfrage teilgenommen haben gaben lediglich rund 7% an, noch nie von den UN-Nachhaltigkeitszielen gehört zu haben. Investmentmöglichkeiten die explizit eines oder mehrere dieser Ziele unterstützen sind dagegen knapp der Hälfte aller befragten Retailinvestoren unbekannt. Neben mangelndem Wissen von Seiten der Retailinvestoren ergab die Befragung der Kontrollgruppe Verbesserungspotential hinsichtlich der Zugänglichkeit von entsprechenden Investmentprodukten für Retailinvestoren.

Die Conjoint-Analyse (Methodik zur Präferenzanalyse) stellte die Teilnehmer vor die Aufgabe aus 4 exemplarischen Investmentprodukten ihre jeweils präferierte Variante auszuwählen. Dabei standen Investments verschiedener Produktklassen, mit unterschiedlichen Renditen und geografischen Wirkungsregionen zur Auswahl. Zudem gab es Produkte die ausdrücklich zur Erreichung bestimmter Nachhaltigkeitsziele beitragen sowie allgemeine Nachhaltigkeitsinves/imatments ohne einen konkreten Einfluss auf ein spezielles Ziel. Die Umfrageergebnisse zeigen, dass die geografische Region, in der ein nachhaltiges Investment eine bestimmte Auswirkung hat (Wirkungsregion) der wichtigste Entscheidungsfaktor für Retailinvestoren ist. Basierend auf den erhaltenen Antworten sieht das „ideale“ Investmentprodukt eines nachhaltigen Investors wie folgt aus:

Die Suche nach passenden Lösungen von Seiten des Finanzsektors wird auch in den kommenden Jahren weitergehen. Durch informierte Investoren und bedarfsgerechte Investmentlösungen kann der Finanzmarkt einen wesentlichen Beitrag zur Sicherung einer nachhaltigen Zukunft leisten.

Nadja Löchle
Studentin
Universität Liechtenstein
nadja.loechle@uni.li
DHBW Ravensburg 2018

Nadja Löchle

Nadja Löchle

Master Student (Msc Finance)
Universität Liechtenstein
DHBW Ravensburg 2018