08.10.2016 | Veranstaltungen | Julian Sievert Zurück zur Übersicht


Denk ... Fabrik - Strategische Dilemmata im Banking

Führen im Kontext der digitalen (R)Evolution 


Zum Abschluss der an diesem Nachmittag qualitativ hochwertigen Vorträge erwartete uns noch ein besonderer Farbtupfer. Und damit ist nicht nur das auffällig orangefarbene Hemd des Referenten gemeint. Obwohl sich nach den zahlreichen Gedankenanstößen der Vorredner unter uns bereits leichte Müdigkeit breit machte, gelang es Thilo Grundmann mit gelungener Rhetorik und vielen spannenden Beispielen alle Zuhörer nochmal einzufangen. Ja, alle Zuhörer! Denn das Thema Wettbewerbsfähigkeit von Banken und vor allem Digitalisierung berührt uns ja alle, egal in welchem Aufgabengebiet oder in welcher Bank/Firma wir tätig sind.

DigRevSicherlich sind die Banken unterschiedlich weit fortgeschritten, aber gerade mit Blick auf das Thema Blockchain der Vorrednerin wurde deutlich wie vielfältig die Entwicklungsmöglichkeiten sind und wie weit die Banken zurückliegen wenn es um die Nutzung der Chancen geht, die die Digitalisierung bietet.
Am weitesten fortgeschritten sind mutmaßlich die deutschen Direktbanken, die wenig überraschend im Vergleich auch die beste Cost-Income-Ratio aufweisen. Aber der Abstand zu den danach folgenden Genossenschaftsbanken ist schon gewaltig. Wie bereits öfter an diesem Nachmittag festgestellt, das Vertrauen in die Beratungsleistung und -objektivität von Banken ist im breiten Durchschnitt der Bevölkerung auch acht Jahre nach der Finanzkrise weiterhin schwer beschädigt. Bietet möglicherweise künstliche Intelligenz einen Ausweg aus dem Dilemma? Ein "Robo Advisor" für finanzielle Entscheidungen? Praktisch eine digitalisierte und automatische Entwicklung und Umsetzung der Anlagestrategie – für viele konservative Bankkunden in Deutschland nach wie vor gewöhnungsbedürftig.

Anhand einer exponentiellen Kurve versuchte Herr Grundmann zu erläutern wie rasant sich die technischen Möglichkeiten in den vergangen Jahrzehnten und Jahren entwickelt haben. Einerseits kaum vorstellbar solch elementare Entscheidungen an eine Maschine zu delegieren, andererseits die Neugier tatsächlich einmal mit IBMs Watson über Kapitalanlage und Altersvorsorge zu plaudern. Fest steht, die Komplexität und die Erfordernis, sich mit den Themen Kapitalanlage & Altersvorsorge zu beschäftigen, werden zunehmen. Genauso wie die technischen Möglichkeiten rund um künstliche Intelligenz.

Der letzte Aspekt des Vortrags beleuchtete die aktuelle Problematik im klassischen Projektmanagement. Besonders für die im Consulting tätigen Mitglieder interessant und ein Spiegelbild des Arbeitsalltags. Ständige Veränderungen an den Fachanforderungen torpedieren die zu Projektbeginn festgelegten Konzepte. Heißt: das Projekt ist nach einem Jahr umgesetzt und das Ergebnis kann direkt in den Müll weil sich in der Zwischenzeit zu viel an den Rahmenbedingungen geändert hat. Zukünftig wird es agile Teams benötigen, die unter Einschaltung eines Facilitators in einem 4-8 Wochen-Rhythmus am Projekt arbeiten, um auf aktuelle Veränderungen einzugehen.

Einziger Wermutstropfen blieb die fortgeschrittene Uhrzeit, so dass das Ende des Vortrags zu Gunsten unserer Reservierung im Brauhaus gestrichen werden musste. Aber nicht ohne dem Redner eine Zusage für Teil 2 bei der Denk...Fabrik II abzuringen.


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